Dr. Ulrich Horstmann
5,0 von 5 Sternen Ein sehr persönliches und mutiges Buch von Max Otte!
Rezension aus Deutschland vom 16. August 2021

Max Otte hat ein sehr persönliches Buch geschrieben, das die Herkunft seiner Familie detailliert aufzeigt. Besonders sympathisch erscheint mir, dass er seiner breiten Fangemeinde, zu der ich mich gerne zähle, einen nicht geschönten Eindruck von sich selbst und seinem Umfeld vermittelt. Schonungslos ehrlich und dennoch liebevoll beschreibt er eine ländlich geprägte Welt in der Pfalz, im Sauerland und in seiner neuen Wahlheimat Eifel, die nach und nach untergeht. Hier ist jemand am Werk, der noch bodenständig und wertkonservativ geblieben ist. Spannend zu lesen sind auch seine Ausführungen zur Täuferbewegung (S. 80f.) und damit zu der Religion, die ihn prägt. In einer zunehmend "entseelt" wirkenden Welt ist es schön, solche Wurzeln zu haben.

Vielfach ist jetzt die Abwicklung einer politischen und gesellschaftlichen Welt, die uns formte und an Recht und Anstand glauben ließ, zu beobachten ist. Bis zum Fall der Mauer 1989 waren wir doch mit guten Gründen weitgehend überzeugt: Willkürherrschaft gabs nur in der früheren DDR und in den anderen Ostblockstaaten, nicht in der demokratisch vorbildlichen Bundesrepublik. Sicher war das ein Zerrbild, aber das Urvertrauen, das Recht und Ordnung immer die Oberhand behalten würden, war doch da. Max Otte erlebte tolle Lehrer wie ich auch, die sich für die Demokratie und eine möglichst breite Ausbildung ihrer Schüler einsetzen. In seinem lesenswerten Buch wird das ganze Spektrum des westlichen Nachkriegsdeutschlands mit Sekundärtugenden, für die sich viele heute schämen aufgezeigt. Fleiß, Pünktlichkeit, Sparsamkeit und nicht zuletzt ein familiärer und religiöser Zusammenhalt. Er nahm den Namen seines Vaters an, den er – auch das zeigt, wie sehr er ihn schätzte. Er war ihm in vielfacher Hinsicht ein Vorbild.

Ich kenne Otte nun noch besser und freue mich auf weitere Treffen mit ihm. Als diskussionsfreudiger Mensch ohne Allüren hat er es verdient, dass ihm alle Türen mehr denn je offenstehen, auch die des öffentlich-rechtlichen Medienbetriebs, wo ich ihn wie viele andere vermisse. Nebenbei gefragt: Sind die Medien doch in die Falle einer naiven "Cancel Culture" getappt? Wer definiert dort, was "Mainstream" ist. "Maß und Mitte" und ein – im besten Sinne - populäres Miteinander prägte nicht nur unser bisheriges Leben, auch das Mediengeschehen. Wenn eine kleine Anzahl abgehobener Medienmacher mit einem fragwürdigen Sendungsbewusstsein das Bild von unserem Land prägt, dann wird aus Transformation sogar ein Radikalumbau mit "Neusprech", von oben erzwungener Anpassung mit Aufgabe vieler traditioneller und bewährter Werte etc… Max Otte würde mir da sicher zustimmen.

Es gilt trotz der revolutionären Veränderungen, die Max Otte kurz und prägnant als "DDR 2.0" beschrieb, auch, nie zu verzweifeln. Stefan Zweig hatte 1942 den Freitod gewählt. So schlimm die aktuelle Situation auch empfunden werden mag, die Hoffnung sollte zuletzt sterben. Max Otte weist zu Recht darauf hin (S. 273), das Stefan Zweig drei Jahre später als "geachteter Schriftsteller in sein geliebtes Salzburg" hätte zurückkehren können. Max Otte: "Denn wer aufgibt, hat schon verloren".

Ja, Max Otte ist ein Seher, er teilt sein Wissen mit und ist auch politisch entsprechend aktiv. Nicht nur seinem Vater macht er damit im Nachhinein ein Geschenk, auch uns. So können wir die Fehlentwicklungen in der Politik (und bei den Finanzmärkten) früher feststellen und für uns Alternativen suchen. Im Idealfall unterstützen wir Max Otte dabei, wieder eine bürgernähere und konservativere Politik für unser Land zu ermöglichen. Auch vor diesem Hintergrund ist sein Buch sehr lesenswert.

Max Otte: Auf der Suche nach dem verlorenen Deutschland
FinanzBuch Verlag, 288 Seiten, EUR 25,00

WerteUnion e.V. | 50968 Köln | Gustav-Heinemann-Ufer 68 | Telefon (0221) 9549 1767 | info@werteunion.de

Wir verwenden Cookies um unsere Website zu optimieren und Ihnen das bestmögliche Online-Erlebnis zu bieten. Mit dem Klick auf „Alle erlauben“ erklären Sie sich damit einverstanden. Weiterführende Informationen und die Möglichkeit, einzelne Cookies zuzulassen oder sie zu deaktivieren, erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.